AUTOR: Eckhard Anker

Superfood liegt seit vielen Jahren im Trend. Hersteller und Handel preisen – oft exotische – Lebensmittel an, in denen viele wertvolle Inhaltsstoffe stecken. „Superfood” ist ein Modewort mit zahlreichen Gesundheitsversprechen; „Kann das Immunsystem stärken” oder „…den Cholesterinspiegel senken”. In der letzten Zeit macht sich jedoch neben den angepriesenen Wirkwundern auch immer mehr Kritik breit.

Ein Blick zurück zeigt, dass Apfelessig, Aloe Vera Gel und Nonisaft früher genauso hochgelobt wurden wie heute Chiasamen, Goji-Beeren und Quinoa.
Doch was ist dran an diesem Superfood-Trend? Das weitgereiste Superfood peppt Porridge, Müslis und Smoothies auf und seine reichhaltigen Inhaltsstoffe gelten als Wohltat für Körper und Seele. Superfit mit Superfoods!? Was steckt hinter dem Versprechen? Wie gesund sind die Produkte und vor allem: gibt es gleichwertige, heimische Alternativen? Wie sieht die Ökobilanz für das exotische Superfood aus? Im Folgenden gehe ich auf diese und andere Aspekte ein – und vielleicht werden die Antworten Sie überraschen.

Das Wichtigste in Kürze
Neben reichlich Vitaminen und Mineralstoffen sind in diesen Lebensmitteln oft viele sekundäre Pflanzen-und Ballaststoffe enthalten. Durch diese Inhaltstoffe kann das Superfood eine positive Wirkung auf den Körper haben. Sekundäre Pflanzenstoffe wirken antimikrobiell und antioxidativ, sie stärken das Immunsystem.
Zudem sind Ballaststoffe sättigend und wichtig für die Verdauung und Darmgesundheit.
Die exotischen Lebensmittel sind meist teuer, und eine hohe Belastung mit Pflanzenschutzmitteln ist nicht auszuschließen. Wissenschaftliche Belege für die Gesundheitsversprechen fehlen meist. Ebenso ist ein gesundheitlicher Mehrwert im Vergleich zu heimischen Lebensmitteln nicht wissenschaftlich bewiesen. Die exotischen Produkte werden oft in stark verarbeiteter Form und getrocknet, bzw. wärmebehandelt angeboten. Dadurch können die „beworbenen” Inhaltsstoffe zum Teil verloren gehen und der gesundheitsfördernde Effekt wird reduziert. Dazu kommen mitunter lange Transportwege, die weniger umweltfreundlich sind. In einigen Produktionsländern kommt es vermehrt zum Flächenraub und Abholzung zugunsten neuer Anbauflächen. Die Produktions-und Arbeitsbedingungen sind nicht immer optimal.
Doch welche heimischen Alternativen gibt es und wie sieht es mit den Inhaltstoffen aus? Wie hoch sind die Kosten für heimische Produkte, die auch als „Frischware” angeboten werden?
Kürzere Transportwege schonen die Umwelt und regionale Anbauer werden gefördert und unterstützt. Die Suche nach Wegen, die begehrten Nahrungsmittel hierzulande großflächig anzubauen, hat bereits begonnen.

Einige Exoten im Vergleich
Viele Menschen wissen gar nicht, dass heimische Lebensmittel oft dieselben Inhaltsstoffe und Wirkungen haben wie ihre vielfach beworbenen „exotischen” Superfood-Konkurrenten. Im Folgenden zeige ich anhand von 5 Vergleichen auf, wie die Unterschiede der Exoten zu den heimischen Sorten sind.

1. Chiasamen vs. Leinsamen
Die Chiasamen stammen ursprünglich aus Mexiko und werden mittlerweile auch in anderen Ländern Südamerikas angebaut. Dort gehören sie zu den Grundnahrungsmitteln. Es wird der ganze Samen verwendet, der eine hohe Quellwirkung hat. Er macht aufgrund des hohen Ballaststoffgehaltes lange satt und hilft bei der Verdauung. Chia ist reich an Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien (Radikalfänger). Die Samen enthalten 5 mal mehr Kalzium als Milch (!!) und sind glutenfrei. Die täglich empfohlene Aufnahme liegt bei 15 g, wobei bisher keine wissenschaftlichen Nachweise über die gesundheitlichen Vor-oder Nachteile vorliegen. Die Chiasamen sind mit bis zu 16,-€ pro kg relativ teuer.
Der heimische Leinsamen ist der Samen eine Flachspflanze, die z.B. in Thüringen, Sachsen, im Allgäu und in Bayern angebaut wird. Der Leinsamen ist verdauungsfördernd, schützt die Darmschleimhaut und ist glutenfrei. Er reguliert den Cholesterinspiegel und ihm wird nachgesagt, dass er bei der Vorbeugung von Krebserkrankungen hilft. Geschroteter Leinsamen ist höchstens 6 Monate haltbar. Das hochwertige Leinöl darin reagiert an der Luft mit dem Sauerstoff. Das Leinöl oxidiert, es wird harzig und ranzig. Geschroteter Leinsamen, der länger als 6 Monate haltbar ist, wurde wärmebehandelt und enthält keine Vitalstoffe mehr! Der heimische Leinsamen kostet ca. 5,-€ pro kg…

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