AUTORIN: Sabine Gebhardt

Die Dreigliederung des menschlichen und sozialen Organismus

Die Soziale Dreigliederung als Lösung der gesellschaftlichen Krise verlangt die Gliederung der Gesellschaft in ihre drei Bereiche Geistesleben, Rechtsleben und Wirtschaftsleben, damit sie harmonisch funktionieren und gesund werden kann. 

Unsere Gesellschaft ist gemäß Rudolf Steiner ein lebendiger Organismus vergleichbar dem menschlichen Organismus, und kein einheitliches Staatsgebilde, das einer absoluten Zentralisation unterliegt. Der menschliche Organismus besteht aus drei nebeneinander wirkenden Systemen, die in einer gewissen Selbständigkeit funktionieren, und wo jedes ein besonderes für sich selbst bestehendes Verhältnis zur Außenwelt hat. Diese sind im Körper des Menschen das Kopfsystem, das Brustsystem und das Stoffwechselsystem. Das Kopfsystem beinhaltet das Nervenleben und das Sinnesleben. Unsere Sinnesorgane sammeln die Informationen über die Umwelt und übermitteln sie an das Gehirn. Wir nehmen die Eindrücke sensorisch, also wahrnehmend und empfindend auf. Das Brustsystem oder rhythmische System besteht aus Atmung und Blutzirkulation und damit aus allem, was sich in rhythmischen Vorgängen im Körper ausdrückt. Wir nehmen den Sauerstoff in der Luft beim Einatmen über die Lunge auf und geben das Kohlendioxid beim Ausatmen wieder ab. Das ist der Gasaustausch. Das Stoffwechselsystem besteht aus den Ernährungsorganen und dem Bewegungsapparat. Wir nehmen beim Essen Nahrung auf, der Körper zerlegt die Nährstoffe, baut sie um und ab, und scheidet das aus, was er nicht mehr braucht.

Ebenso hat der gesellschaftliche Organismus drei nebeneinander wirkende Systeme, die selbständig funktionieren, und sich auf ihre eigene Weise mit der Außenwelt austauschen. Das Wirtschaftsleben ist der Kopf des Sozialen Organismus und vergleichbar mit dem Nerven-Sinnen-System. Das Wirtschaftsleben setzt sich zusammen aus der Produktion, dem Handel und dem Konsum von Waren und Dienstleistungen. Es dient der Befriedigung der materiellen Bedürfnisse der Menschen. Das Wirtschaftsleben ruht auf der Naturgrundlage (Bodenschätze, Klima, etc.), genauso wie die Arbeit der Menschen auf deren körperlichen und geistigen Begabungen ruht. Im Wirtschaftskreislauf dürfen sich nur Waren bewegen, und keine Arbeitskraft und keine Rechte. Das menschliche Bedürfnis nach Gütern in der Wirtschaft ist zu trennen von dem menschlichen Bedürfnis nach Menschenwürde im Rechtsstaat. Das Rechtsleben ist das Leben des öffentlichen Rechtes, das eigentliche politische Leben. Es besteht aus der Staatsverwaltung, der Gesetzgebung und der Rechtsordnung, und es hat zu tun mit dem Verhältnis von Mensch zu Mensch. Das Rechtsleben lässt sich mit der rhythmischen Tätigkeit vergleichen und regelt die Rechte der Menschen untereinander und ordnet deren Rechtsverhältnisse in Form von Gesetzen. Das öffentliche Rechtsleben sichert und gewährleistet die Rechte und Möglichkeiten eines jeden Menschen, und muss ihm Sicherheit vor Willkür und Machtmissbrauch geben. Das Geistesleben besteht aus Bildung, Kunst, Kultur, Religion und Wissenschaft und hat zu tun mit den geistigen und physischen Begabungen jedes einzelnen Menschen. Das geistige Leben ist vergleichbar mit dem Stoffwechselsystem, da es wie der Magen, die Leber und die Milz dasjenige in den sozialen Organismus eingliedert, was aus der einzelnen menschlichen Individualität hervorsprießt.

Den vollständigen Text lesen Sie im WALNUSSblatt, 2. Ausgabe