AUTORIN: Brigitte Schoop

Man hört und liest viel von den Erfordernissen unserer Zeit, uns mehr dem Organ zu widmen, ohne das es kein Leben gibt – von dem unser aller Wohlbefinden tagtäglich aufs innigste abhängt und auf das wir stets hören sollten, in guten wie in schlechten Tagen. Das uns führen und beraten kann und uns immer den richtigen Weg weist: unser Herz. 

Aber wie finden wir den Weg zu diesem zentralen Organ? Gehen wir ihn von außen nach innen oder von innen nach außen? Wir können natürlich jederzeit über das meditative Element Zugang zum Zentrum unseres Seins finden, indem wir uns der Liebe öffnen. Wir können ebenso mit dem Herzen kommunizieren, indem wir mit ihm sprechen, ihm kundtun, wie wichtig es uns ist und es bitten, dass es uns stets mit Kraft und Zuversicht versieht und uns die feinen Regungen wahrnehmen lässt, die uns unseren ganz eigenen Weg und den unserer Seele erkennen lassen. 

In Fulda zum Beispiel gibt es „Das begehbare Herz“ in der Kinder-Akademie Fulda, in dem Kinder auf spielerische Art die Anatomie des Herzens erforschen können. Doch in Berghausen in der Verbandsgemeinde Aar-Einrich (Rhein- Lahn-Kreis) mit 31 Gemeinden, mitten in der Natur zuhause, hat eine vielseitig orientierte und couragierte, lebensbejahende Frau über 8,7 Kilometer hinweg einen ganz besonderen Wander- und Pilgerweg in Privatinitiative gestaltet, der weit und breit seinesgleichen sucht : den „Herzweg des Friedens“. 

Innerer Pilgerweg zum Herzen – ein Buch hört zu 

Eines Tages rief mich eine Kursteilnehmerin an und fragte, ob sie beim nächsten Kursabend ihre Freundin Birgit als Gast mitbringen dürfte, die den „Herzweg des Friedens“ initiiert habe und uns mit ihrem Wissen bereichern könnte. Ich bejahte.
Die beiden kommen: ich halte den Atem an, als ich dieses engelsgleiche Wesen erblicke, das meinen Seminarraum mit seiner lichtvollen Präsenz und wunderbaren Aura beschenkt und unser aller Herz berührt. Es ergreift die gesamte Runde, als sie uns offen von ihren jahre- bis jahrzehntelangen unheilbaren Krankheiten von Kindheit und Jugend an bis ins Erwachsenenalter erzählt und dann auch noch im Jahre 2003 im Alter von 34 Jahren ein Nahtoderlebnis ihr Leben völlig umkrempelt und sie auf neue Herz- und Seelenwege führt. Am Karfreitag 2009 steht die gelernte Druckvorlagenherstellerin zuhause am Kochtopf und empfängt die Eingebung, einen Wander- und Pilgerweg, den „Herzweg des Friedens“, in der Natur zu gestalten. Im August 2011 wurde dieses Projekt dann eröffnet. 

Nach ihrem Nahtoderlebnis vertraut sie – analog einem Tagebuch – ihr langjähriges Leid ihrem Buch „Die Mitte“ an und schreibt sich alles von der Seele – so tiefberührend, dass es dem Leser für immer unauslöschliche Eindrücke vermittelt. Von Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa plus Influenza und Meningitis, wodurch sie als Kind und Jugendliche immer wieder dem Schulunterricht fernbleiben musste und ihr somit ganze Jahre des Lernens fehlten, fesselt dieses Buch durch glasklare kritische Analysen der Gesellschaft, der Ärzteschaft und dem genauen Hinsehen auf den Umgang derselben mit chronisch Kranken, die sich oft nicht wehren können; was den Leser nicht selten zwingt, sein eigenes Denken und Handeln zu analysieren und wenn möglich zu verändern. „Das Buch geht still seinen Weg – es wird einfach weitergereicht und berührt die Menschen in der Tiefe…“ erklärt Birgit Meyer in einem diesbezüglichen Interview. 

Immer geht es ihr in ihrer schriftstellerischen Arbeit um die Mitte, um den Frieden von Körper, Seele und Geist, der automatisch eine ganzheitliche Gesundheit mit sich bringt. Sie erläutert am Ende ihres Buches: „ Alles im Leben geht von der Mitte aus. Die Mitte ist das, worauf wir bauen: der Kern, die Frucht, aus der heraus alles weitere wächst. Nicht nur ein Haus, ein Objekt, ein Baum, eine Frucht, eine Familie, sondern auch unsere Gesundheit. Ich habe meine Mitte gefunden, meinen Seelenfrieden. Seit 2003 lebe ich komplett ohne Medikamente, zwanzig Stück zierten täglich meine Tablettenschachtel über viele, viele Jahre. Es ist wunderbar, ohne sie zu leben! Und das Schönste ist: Es funktioniert! Leider erst dann, wenn wir unsere Mitte gefunden haben. Was das Schicksal uns irgendwann noch bringt, das haben wir alle nicht in der Hand, aber die Mitte bedeutet ein gesundes Weiterleben!“ 

Ins Herzinnere gehen 

Wer sich zum „Herzweg des Friedens“ mit seinen 13 Stationen aufmacht, macht ganz sicher seine eigenen Erfahrungen. Unentwegt. Schritt für Schritt. Man bewegt sich in Gottes freier Natur auf offenen Feldwegen und Rainen oder am Waldrand entlang auf einem idyllisch gelegenen Hügel. Man hat Zeit, über sich selbst nachzudenken. Man genießt die Stille und all das, was dieser Pilgerweg zu bieten hat. Man nimmt eine Auszeit vom Alltag zur Selbstbesinnung. Mit einem Flyer von Birgit in der Hand, auf dem die einzelnen Stationen des Herzweges eingezeichnet sind, und ihrem wunderbaren Büchlein mit Gedanken und Impulsen zum zentralen Anliegen der jeweiligen Station folgt man den verschiedenen Wegweisern „Zum Herzen“ und bewundert die künstlerische Gestaltung des Wanderweges. 

Dieser „Herzweg“ ist wie ein Tor zu einer anderen Welt für diejenigen, die heutzutage immer mehr in der Virtualität und Digitalität leben und die wahre Realität schon fast vergessen haben – die Bedeutung von Luft und Wind, von Erde und Wiesenduft, von Regentropfen und Sonnenschein. 

Schon das Eingangstor an der Ersten Station in Berghausen am Fuße des Berges, am dortigen Naturdenkmal „Die Brücke“, ist recht bemerkenswert: waren hier doch echte Künstler am Werk, um symbolisch in unser Herzinneres gehen zu können. Das von Birgit entworfene, auf zwei großen Holzsäulen liegende „Fliegende Herz“ als bildhafte Darstellung für die unendliche, bedingungslose Liebe hat der Kettensägenkünstler Ralf Schlarp formvollendet geschnitzt und gesägt, so dass es eine echte Augenweide ist. Die an den Säulen hinabgleitenden hölzernen Flügelfedern verbinden sozusagen Himmel und Erde miteinander. In die rechte Säule ist die Lebensschnur mit einem Schlüssel eingesägt und die linke Säule enthält das Herz mit dem Schlüsselloch – man schließt hier beim Hindurchschreiten also für sich selbst seine „innere Herzenstüre“ auf. Dies jedoch auch für seine Mitmenschen, da man nur mit einem offenen Herzen ein harmonisches Miteinander bewirken kann. Wer möchte, kann neben dem „Herztor“ symbolisch für die eigene Herzöffnung einen mitgebrachten Schlüssel mit Band anbringen. 

Der vollständige Artikel ist im aktuellen WALNUSSblatt (Mai 2021) zu lesen!