AUTORIN: Birgit Weidfrau

Um unser kollektives Trauma zu lösen, müssen wir die Wurzelgeschichte betrachten.
Dieser Satz wirbelt immer wieder in meinem Gedankenkarussell herum, weshalb ich ihn jetzt zum Anlass nehme, darüber zu schreiben.

Zur Wurzelgeschichte von „Germany” gehört die Geschichte der German*innen. Sie waren, und sind teilweise bis heute, Namensgeberinnen unseres Geburts-und/oder Lebenslandes. Es lohnt sich also, auf ihre Worte zu lauschen und ihre Geschichte etwas genauer anzusehen.

Zur Rehabilitierung unserer germanischen Vorfahren gehört die Auflösung der römischen Kriegspropaganda. Um Geschichte zu ergründen bedarf es ein Sich-Hineinversetzen in eine längst vergangene Zeit, bzw. in ein längst gelebtes Leben. Ein bisschen fantasieren gehört immer dazu, z.B. zur Frage: Woher kommt eigentlich der Begriff „Germania”? Betrachte ich die Eroberungsgeschichte Amerikas, so fällt mir auf, dass die Bezeichnung „Indianer” von den American Natives niemals genutzt wurde. Der Begriff stammt von ihren Eroberern. Diese verwechselten Indianer mit Indern, deren Land sie ursprünglich angesteuert hatten. Doch wie kamen die Römer dazu, die Bevölkerung der Stämme hierzulande Germanen zu nennen? Um das herauszufinden, werfe ich einen Blick auf ihre soziale und sakrale Kultur.

Alles wird aus der Mutter geboren. Diesen Tatbestand ehren alle indigenen Stammeskulturen. Schwangerschaft und Geburt sind etwas sehr Besonderes. Während des Gebärprozesses stehen Geburt und Tod dicht beieinander. Aus diesem Wissen entstanden Frauenheilkunst und Hebammenkultur. Das gesamte germanische Heilwissen vereinte profane und sakrale Elemente. Jede Heilerin war zugleich eine Seherin, und jede Seherin war Heilerin. Der Einfluss der germanischen Frauen war groß. Die skandinavischen Sithonen wurden (zum Entsetzen der Römer) sogar von Frauen regiert. In allen Stämmen wurden junge pubertierende Frauen ab Beginn ihrer Menstruation wegen ihrer ausgeprägten Seherinnenkraft hoch verehrt. Auf ihren Rat wurde stets gehört.

Als Zeichen ihrer Frauen-und Göttinnenverehrung hinterließen uns unsere germanischen Vorfahren etwa 800 Weihesteine aus den Jahren 70 bis 240 u.Z., die entlang des gesamten Limes gefunden wurden: Die sogenannten Matronensteine. Diese, vor allem in Steinmetzwerkstätten am Niederrhein gefertigten, ca. 70 cm hohen Reliefs stehen auf einem Sockel mit lateinischer Inschrift und bilden drei Frauen ab; die Junge mit offenem Haar sitzt meist in der Mitte, rechts und links von zwei älteren Frauen flankiert, deren auffallend breitkrempige Hauben an die Tracht der Kölner Ubierinnen erinnern. Matronen wird diese weibliche Trinität latinisiert genannt, was mit „ehrwürdige Frauen” übersetzt werden kann.

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